Klinische Perspektive

Seit einigen Jahren gibt es zunehmend Berichte und Studien über den Einsatz von ECLS/ECPR bei Patienten nach innerklinischem Kreislaufstillstand und mittlerweile auch präklinischem Kreislaufstillstand. ECLS/EPCR wird hier als Überbrückung bis zur definitiven Therapie und zur Verlängerung des Zeitfensters zu Diagnostik und Behandlung reversibler Ursachen des Kreislaufstillstands genutzt. 

Da ECLS/ECPR einen gewissen Ausbildungsstand und Expertise erfordert, um richtig eingesetzt zu werden, darüber hinaus kostenintensiv ist, sollten vor einem Einsatz folgende Fragen geklärt werden:

Wann, wo und warum soll ein ECLS/ECPR-System im Rahmen der präklinischen Reanimation oder des schweren kardiogenen Schocks eingesetzt werden? Welcher Patient kommt für solch eine Therapie in Frage? Das alleinige Vorhandensein eines solchen Systems rechtfertigt noch nicht dessen Einsatz.

Bislang ist nicht geklärt, wer eine solche Therapie erhalten soll. Ein striktes, lokales Protokoll mit klaren Ein- und Ausschlusskriterien ist hier sicher hilfreich: Alter < 65 Jahre, beobachteter Kreislaufstillstand, sofortige Laienreanimation, defibrillierbarer Rhythmus, Aktivierung der ECLS < 45 min oder eine akzidentelle Hypothermie sind nur wenige mögliche Kriterien für den Einsatz eines ECLS/ECPR-Systems.

Da die Zeit bis zum Wiedererlangen eines Kreislaufs für das neurologische Outcome eine wichtige Rolle spielt, sollte das ECLS/ECPR-System so früh wie möglich eingesetzt werden. Einige Studien konnten bei frühem Einsatz ein besseres Überleben nachweisen. Die meisten Studien wurden zwar in Notaufnahmen und auf Intensivstationen gemacht, der Einsatz von ECLS/ECPR ist aber auch präklinisch möglich.

Die wichtigste Frage ist die nach dem warum. Bis dato gibt es für den Einsatz von ECLS/ECPR-Systemen nach Reanimation keine hohe Evidenz. Überlebensraten hängen stark von den verschiedenen Rettungsdienstsystemen ab und unterscheiden sich somit stark. Nach Optimierung des Rettungsdienstsystems sollten parallel zu Traumazentren entsprechende Cardiac Arrest-Zentren geschaffen werden, um die klinische Versorgung mit spezialisierten und gut trainierten Teams ebenso gewährleisten zu können. Je mehr wir die Pathophysiologie des Kreislaufstillstandes verstehen, desto deutlicher wird, dass ein einzelnes Glied der Rettungskette nicht ausreicht, um das Überleben der Patienten zu sichern.

Für die Zukunft wird ECLS ein fester Bestandteil des Therapiebündels bei Patienten mit oder nach prolongiertem Kreislaufstillstand sein und in zu errichtenden Cardiac Arrest Zentren (wie seit 2010 von ERC und AHA gefordert) neben der Möglichkeit zum kontrollierten Temperaturmanagement und einer 24/7 verfügbaren Notfall-PCI zur Standardausstattung gehören.